Wie man Millionen in der Gastronomie verdient? Und Druck auf die Politik ausübt: Kemal Üres
Worum es geht
In dieser Folge sprechen wir mit Kemal, dem wohl einflussreichsten Gastro-Influencer Deutschlands, der mit über einer Million Abonnenten und einem Exit von über 20 Millionen Euro die Branche revolutioniert hat. Doch hinter dem glänzenden Erfolg steckt eine harte Realität: Kemal berichtet von 30 Jahren Gastronomie, in denen 95 % aus purem Struggle bestanden.
Wir räumen mit den Mythen der Hospitality-Welt auf. Warum stirbt die deutsche Mitte gerade weg? Wie verhandelt man mit dem Finanzamt, wenn Forderungen von 200.000 € im Raum stehen? Und welche psychologischen Tricks auf Speisekarten sorgen dafür, dass Gäste bis zu 30 % mehr ausgeben?
Kemal gibt uns exklusive Einblicke in seinen Mega-Exit an Coop Schweiz und erklärt, warum er trotz Millionen auf dem Konto immer noch wie eine "Ratte im Hamsterrad" rennt.
Was du mitnehmen kannst.
Die Mehrwertsteuer-Kampagne
- Nº 01·Kemal
„Wer macht den Content für die Hospitality?" — die Nische war leer
Kemal war seit 25 Jahren Gastronom, als jemand ihm die Frage stellte: Warum machst du keinen Content für Gastronomen? Die Branche macht 452 Mrd. € Jahresumsatz. Das erste Video (über einen jungen Bewerber, dessen Vater verstorben war) sah 7 Millionen Menschen. Eine leere B2B-Nische mit Millionen-Reichweite ist ein unfairer Hebel — wer der Erste ist, besitzt sie.
- Nº 02·Kemal
1 Million Euro aus eigener Tasche in Corona — damit die Betriebe weiterlaufen
Als Corona kam, stellte Kemal 1 Mio € aus eigenem Kapital zur Verfügung und reiste drei Jahre durch Deutschland, Österreich und Schweiz, um Content mit Gastronomen zu drehen. Seine Logik: die Betriebe müssen weiterlaufen, egal wie. Nach drei Jahren war die Million weg — dann kam der erste Sponsoring-Vertrag. Heute gibt sein Team 7-stellig im Jahr für Content aus.
- Nº 03·Kemal
380.000€ Kampagnen-Budget, 111 TV-Beiträge — und kein Gastronom auf dem Pariser Platz
Die Kampagne „Rettet die Vielfalt" kostete 380.000€, sie brachte 111 TV-Beiträge über drei Jahre. Für die Berliner Demo am Pariser Platz wurde eine Riesenbühne für 50 Mitarbeiter aufgebaut — und außer der Presse kam fast niemand. Gastronomen kommen nicht auf Demos, weil sie arbeiten. Die mediale Reichweite allein hat den Unterschied gemacht, nicht die Präsenz auf der Straße.
- Nº 04·Kemal
Die Industriepartner-Schneeballtaktik: Metro zuerst, dann kaskadiert alles
Kemal rief den Metro-CEO an, bekam eine Zusage über 50.000€. Damit rief er Transgourmet an: „Metro macht mit, wollt ihr wirklich nicht?" — ja. Dann Lieferando, dann Edeka, derselbe Move. Am Ende: 250.000€ zusammen. Wer die erste große Marke hat, überzeugt die zweite automatisch. Niemand will der einzige sein, der nicht dabei ist.
- Nº 05·Kemal
Commitment vor der Wahl: CDU-Zusage gegen Wähler-Mobilisierung
Als die Wahlen anstanden, holte Kemal CDU-Spitzenpolitiker zur RTL-Demo, forderte ein öffentliches Commitment zur 7%-Senkung — und versprach im Gegenzug, die eigenen Wähler darüber zu informieren. 4.000 Menschen kamen zur finalen Demo. Die 7% kamen. Wer 1 Million Reichweite hat, kann politische Zusagen wie Verträge behandeln — öffentlich, dokumentiert, überprüfbar.
Der politische Mechanismus
- Nº 06·Kemal
Politiker optimieren ihre Karriere, nicht ihren Impact
Kemals Beobachtung nach drei Jahren Politikkontakt: es wird viel mehr Zeit auf die Frage verwendet „was darf ich sagen, ohne dass es mir schadet" als auf „was ist in diesen vier Jahren mein Beitrag". Das ist kein moralisches Urteil — es ist eine Systemdiagnose. Das Anreizsystem belohnt Selbstschutz, nicht Wirkung.
- Nº 07·Eric
Politiker sind erst nach ihrer Karriere wirklich interessant
Politiker nach dem aktiven Amt reden frei, weil der Fraktionszwang und die Selbstschutz-Logik wegfallen. Die eigene Meinung liegt oft völlig woanders als die offizielle. Wer Substanz sucht, bekommt sie erst, wenn der Karriere-Hebel nicht mehr greift. Das ist das Diagnose-Signal des Systems.
- Nº 08·Eric
Im Bundestag entscheiden 12 Leute — die anderen stimmen nach Farbe ab
Eric verweist auf die Insider-Beobachtung: im Bundestag gibt es effektiv ca. 12 Leute, die Einfluss nehmen. Der Rest bekommt eine farbige Karte und weiß oft selbst nicht, worüber sie gerade abstimmen. Das ist nicht Verschwörung — das ist Fraktionsdisziplin in ihrer Endstufe.
- Nº 09·Eric & Kemal
Die Milchmädchenrechnung bei Steuererhöhungen
Politik rechnet bei Steuern immer linear: „10% mehr Steuer × aktueller Konsum = mehr Einnahmen". Die Realität: Konsum sinkt, Substitution erfolgt, Betriebe schließen. Bei der Tabaksteuer hat die Politik das verstanden, bei anderen Steuern nicht. Kemal: die 3,5 Mrd € „Mehreinnahmen" durch 19% werden durch die Pleiten und Konsumrückgang mehr als aufgefressen.
Die Zahlen der Gastrobranche
- Nº 10·Kemal
150.000 Gastronomien, 6 Millionen Beschäftigte, 452 Mrd € Umsatz
Deutschland hat 150.000 gastronomische Betriebe, mit Österreich und Schweiz 210.000. Die Branche beschäftigt 6 Millionen Menschen und macht 452 Mrd € Jahresumsatz. Damit ist sie der zweitgrößte private Arbeitgeber — direkt hinter der Automobilindustrie. Ein Sektor, den fast niemand strategisch adressiert, obwohl seine volkswirtschaftliche Bedeutung enorm ist.
- Nº 11·Kemal
46.000 Pleiten pro Jahr — die Branche erneuert sich alle drei Jahre komplett
Von den 150.000 deutschen Gastronomien gehen jährlich 46.000 pleite — rund 30%. Die gleiche Anzahl kommt neu hinzu. Rechnerisch: alle drei Jahre wird die gesamte Branche ausgetauscht. In keiner anderen Wirtschaftsnische rotiert das Personal so schnell. Die Folge: institutionelles Wissen geht verloren, jede neue Generation lernt die gleichen Fehler wieder selbst.
- Nº 12·Kemal
Deutschland: 80% Individualgastronomie — USA: 80% Systemkonzept
In den USA sind 70-80% der Gastronomie Systemkonzepte (Franchise, Ketten). In Deutschland: umgekehrt, 70-80% Individualgastronomie. Das bedeutet: deutsche Gastronomen haben sich angespart, persönlich gegründet, hoffen auf 10-15% Marge. Keine Skaleneffekte, keine zentrale Einkaufsmacht, keine geteilten Systemkosten. Die Struktur macht den Markt strukturell fragil.
Der Kollaps des Mittelstands
- Nº 13·Kemal
Personalkosten 40% gestiegen — Mitarbeiter in Logistik und Retail abgewandert
Durch Corona und Inflation sind die Personalkosten in der Gastro um 40% gestiegen. Gleichzeitig sind Mitarbeiter in Logistik und Retail abgewandert — dort gibt es bessere Bedingungen. Wer zurückholen will, zahlt keine Gehälter mehr, sondern „Gagen". Der Mittelstand hatte zuvor schon nur 10-15% Marge — diese Differenz hält die neue Kostenstruktur nicht aus.
- Nº 14·Kemal
Die Mitte stirbt — nur High-End oder Over-the-Counter bleiben
Klassische Wirtshäuser, Service-Restaurants, Begegnungsstätten — sie sterben gerade aus. Was bleibt: entweder Erlebnis-Gastronomie (High-End, 35€+ pro Person) oder Over-the-Counter (Döner, Smash Burger, 10-12€). Dazwischen funktioniert nichts mehr. Das ist nicht nur Gastro-Spezifisch — es ist das Muster, das Mittelstand in Deutschland insgesamt trifft.
- Nº 15·Kemal
Ein Schnitzel müsste eigentlich 28€ kosten — die Struktur war nie fair kalkuliert
Bei deutschen Kostenstrukturen — Personal, Abgaben, Energie, Miete, Steuern — müsste ein Schnitzel realistisch 28€ kosten. Es kostet 24,50€ und ist bereits zu viel für den deutschen Konsumenten. Das Ökosystem ist strukturell kaputt: was der Staat braucht, um zu funktionieren, kann der Gastronom nicht auf den Teller bringen. Deshalb haben Gastronomen früher „linke Tasche, rechte Tasche" gearbeitet — das funktioniert heute nicht mehr.
- Nº 16·Kemal
Personaleinsatz im Service-Restaurant: 45% — erlaubt sind 35%
Ein normales Restaurant mit Service und Personal liegt bei 45% Personalkosten inklusive Sozialabgaben. Um profitabel zu sein, dürftest du nicht über 35% kommen. Over-the-Counter-Konzepte (Döner, Smash Burger) liegen bei ca. 20% Personalkosten. Deshalb verschwinden die Service-Häuser — nicht, weil niemand sie will, sondern weil die Rechnung nicht aufgeht.
Finanzamt-Willkür
- Nº 17·Kemal
Die 200.000€-Forderung — und der Freitagnachmittag-Deal bei 60.000€
„Lass uns doch irgendwie auf 50-60k einigen und dann machen wir hier Feierabend heute, was meinst du?”
Kemal hatte vor zehn Jahren eine Prüfung. Das Finanzamt wollte 200.000€ wegen abweichender Aufschlagsätze. Am Freitag um 15 Uhr, alle wollten Feierabend. Kemal: „Lass uns auf 50-60k einigen und Feierabend machen." Die Finanzbeamten sagten ja. Das ist kein Gerichtsprozess — das ist Basar. Die Steuerforderung existiert, weil jemand sie aushandelt, nicht weil sie berechnet ist.
- Nº 18·Christian
Beweislastumkehr beim Finanzamt — die rechtsstaatliche Ausnahme
Im deutschen Rechtssystem gilt eigentlich: unschuldig bis zum Beweis der Schuld. Beim Finanzamt gilt das Gegenteil: das Amt stellt eine Hypothese („deine Aufschlagsätze stimmen nicht") und der Steuerpflichtige muss das Gegenteil beweisen. Das ist keine Bagatelle — es ist eine konstitutionelle Ausnahme, die kaum jemand hinterfragt, obwohl sie existenziell wirkt.
- Nº 19·Christian
Der 10%-Sicherheitszuschlag — ohne jeden Anhaltspunkt
Die Dean-David-Gründer-Story zeigt das Muster: Kassensysteme zertifiziert, Wareneinsatz in Hamburg und München identisch — trotzdem schlägt das Finanzamt „aus Prinzip" 10% Sicherheitszuschlag drauf. Bei einer Branche mit klar kalkulierter 10-15% Marge ist das keine Sicherheit, das ist Vernichtung. Und es gibt keinen Mechanismus, sich dagegen zu wehren.
- Nº 20·Kemal & Eric
Das Risiko trifft immer die Kleinen — nie Lufthansa oder Deutsche Bahn
Wenn ein großer Konzern hustet, wird gefragt „wie können wir unterstützen?". Wenn ein Restaurant mit 2 Mio Umsatz strukturell kollabiert, bekommt es eine 200.000€-Steuerforderung. Der Mittelstand hat keine Lobby, keine Anwälte im Raum, keinen Fraktionschef auf Kurzwahl. Die erschaffene Struktur ist nicht mittelstandsfeindlich aus Bosheit — sie ist es aus Mechanik.
Die „rote Liste" des Finanzamts
- Nº 21·Kemal
„Cash only" vor der Tür = direkter Eintrag
Finanzbeamte führen Listen verdächtiger Betriebe. Ein „Cash only"-Schild an der Eingangstür ist ein direkter Auslöser — der Betrieb landet auf der Beobachtungsliste. Kemal rät Gastronomen ausdrücklich: nie ein solches Schild aufhängen, auch wenn EC-Gebühren wehtun. Die Kosten eines Eintrags übersteigen jeden Gebühren-Sparansatz um Größenordnungen.
- Nº 22·Kemal
Gut laufender Laden ohne Digitalisierung = zweiter Verdachtsmarker
Ein offensichtlich gut besuchter Betrieb ohne digitales Reservierungssystem, ohne Kassensoftware, ohne Online-Präsenz — das ist in den Augen des Finanzamts anomal. Wer Umsatz macht, digitalisiert. Fehlt das, vermutet das Amt Schwarzgeld. Digitalisierung ist nicht nur Effizienz — sie ist Alibi.
- Nº 23·Kemal
„EC-Gerät ist heute kaputt" dreimal die Woche = Trigger
Ein klassisches Muster beim kleineren Italiener oder Griechen: angeblich ist das EC-Gerät „schon wieder kaputt". Wenn das drei Mal pro Woche passiert, merken Finanzbeamte es — sie gehen ja selbst essen. Die Kleinauffälligkeiten werden dokumentiert und aggregiert. Wer beim Ausweichen auf Cash erwischt wird, zahlt am Ende deutlich mehr als die eingesparten EC-Gebühren.
- Nº 24·Kemal
Finanzbeamte gehen auf Spesen essen — und messen Portionen
Bei Verdacht gehen Finanzbeamte in die Gastronomie essen, bestellen, beobachten Portionsgrößen — und reichen die Rechnung als Spese ein. Sie sehen: angerichtetes Schnitzel 330 Gramm statt der kalkulierten 250. Bei 20% Überportionierung pro Teller, jeden Tag, wird die Abweichung von Wareneinsatz zu Umsatz nachvollziehbar. Das ist keine Hexerei — das ist saubere Ermittlung.
- Nº 25·Kemal & Christian
Klopapier zählen — die Groteske der Aufschlagsprüfung
Finanzbeamte zählen tatsächlich Klopapier-Blätter als Konsum-Indikator: wie viele Ärsche wurden hier geputzt? Der „Durchschnittsarsch" ist die Kalkulationsbasis. Das klingt absurd, ist aber gängige Praxis. Es zeigt die Tiefe der Prüfungs-Bürokratie — und die Absurdität eines Systems, das so detaillierte Gegenkontrolle braucht, weil die Beweislast umgekehrt ist.
- Nº 26·Kemal
Rezeptur und Produktpass sind deine Verteidigung — 90% haben beides nicht
Wer im Streitfall beweisen will, dass die Aufschlagsätze stimmen, braucht dokumentierte Rezepturen (Portionsgewichte, Zutaten) und Produktpässe (Schälverlust, Putzverlust, Bratverlust). Von 1.000 Gastroschule-Schülern haben 90% weder das eine noch das andere. Fehlt es, gewinnt das Finanzamt per Beweislastumkehr. Rezeptur ist nicht Küchendisziplin — sie ist juristische Rückendeckung.
Menu Engineering
- Nº 27·Kemal
Der Anker: 32€ Kalbsschnitzel macht das 24€ Schnitzel günstig
Die zentrale Menu-Engineering-Technik: setze einen Anker deutlich über dem Zielprodukt. Ein Kalbsschnitzel für 32€ neben einem normalen Schnitzel für 24€ lässt Letzteres günstig wirken. Die Airlines machen es mit First Class (selten gebucht, aber vorhanden, damit Business plausibel wirkt). Der Mensch bewertet relativ — nie absolut. Wer kein Ankerprodukt führt, verschenkt Umsatz.
- Nº 28·Kemal
Menu Engineering macht bis zu 30% mehr Umsatz — in USA zahlst du $5.000 dafür
Professionelles Menu Engineering erhöht den Umsatz nachweislich um bis zu 30%. In den USA sind 5.000 USD für eine Speisekarten-Optimierung Standard. In Deutschland ist das Konzept praktisch unbekannt — erst durch Kemal kommt es in der Breite an. Wer die Karte nicht aktiv designed, überlässt die Umsatzverteilung dem Zufall.
- Nº 29·Kemal
Die sechs Regeln: kein €-Zeichen, kein Preis untereinander, günstig nie oben
Die konkreten Eingriffe: (1) keine €-Zeichen (schalten das Kostenbewusstsein ab), (2) Preise nie untereinander — der Mensch vergleicht vertikal, (3) günstige Speisen nie oben rechts, dort schaut das Auge zuerst hin, (4) Preis hinter die Beschreibung setzen (Schlangenlinie bricht das Vergleichen), (5) Kreditkartensymbol platzieren (erhöht Ausgabebereitschaft), (6) Supermarkt-Regal-Logik: was Marge bringt, kommt auf Augenhöhe.
- Nº 30·Kemal
Das Personal kann im Stress nicht empfehlen — die Karte muss verkaufen
Suggestivverkauf („wollen Sie eine Vorspeise?", „Dessert?") funktioniert in der Theorie, aber im Stress setzen Kellner das kaum um. Deshalb muss die Karte selbst das Verkaufen übernehmen. Aktives Design der Karte ersetzt Personalkosten, die ohnehin explodieren. Menu Engineering ist nicht Dekoration — es ist strukturelle Kompensation für fehlende Verkaufsschulung.
Lab Coffee, Cotti & die Venture-Logik
- Nº 31·Eric
Venture-finanzierte Ketten kaufen Marktanteile, nicht Effizienz
Eric: Lab Coffee, Cotti und ähnliche Ketten sind bewusst ineffizient. Venture-Kapital finanziert den Verlust, um Marktdurchdringung zu erreichen. Profitabilität pro Filiale ist nicht das Ziel der ersten Phase — Marktanteil ist es. Wer diese Logik nicht versteht, hält die niedrigen Preise für Konkurrenzstärke. Sie sind Subvention auf Zeit.
- Nº 32·Kemal & Christian
Nach der Marktdurchdringung kommen die Preiserhöhungen
Kemals Prognose: wenn diese Ketten genug Marktanteil haben, werden die Preise steigen — und zwar deutlich. Die aktuelle Preisattraktivität ist eine Akquise-Strategie, keine Dauerzusage. Wer heute das Altcafé um die Ecke aufgibt, findet es in zwei Jahren nicht wieder. Das Mittelstandssterben wird durch subventionierte Ketten beschleunigt, die langfristig selbst teurer werden.
- Nº 33·Kemal
Starbucks macht in Deutschland kein Geld — Personal ist drei Mal so teuer
Selbst Starbucks ist in Deutschland bis heute nicht profitabel, wird von einem Eigentümer zum nächsten gereicht. Der Grund: bei gleichen Cappuccino-Preisen ist das Personal in Deutschland drei Mal so teuer wie in der Türkei oder Osteuropa. Wenn der Weltmarktführer im Coffee-Retail hier verliert, sollte jeder lokale Gründer das als Warnsignal lesen.
Do&Co, Attila, Catering-Exzellenz
- Nº 34·Kemal & Eric
Niki Lauda kam rein, probierte — so entstand Do&Co
Attila Dogudan hatte ein türkisches Restaurant in Wien. Niki Lauda kam essen, war begeistert, fragte: „Ich habe einen Flieger, könnt ihr Essen für den Flieger machen?" Aus dieser einen Bestellung wurde die Catering-Gruppe, die heute Turkish Airlines, Austrian Airlines, Formel 1 und Bayern-Stadion versorgt. Ein echter Gründungs-Moment, kein Business-Plan — nur Qualität und ein Kunde, der sie erkennt.
- Nº 35·Eric & Christian
Do&Co fliegt 500-800 Mitarbeiter zur Formel 1 ein — weltweit geschult
Zu jeder Formel-1-Station der Welt fliegt Do&Co das eigene Service-Team ein, 500-800 Leute. Christian erkannte in Abu Dhabi Kellner wieder — sie waren aus Österreich geflogen worden. Premium-Catering auf globalem Niveau ist kein Wachstum durch Hiring vor Ort, sondern durch Standardisierung und internationale Rotation. Qualität bleibt, weil das Team reist, nicht bleibt.
- Nº 36·Kemal
Rezepturen so eng, dass jeder Koch austauschbar ist
Kemal drehte für Turkish Airlines — die Arbeits-Leitplanken in der Flughafen-Küche sind so eng, dass ein neuer Koch nach kürzester Zeit den Ablauf beherrscht. Das ist der Gegenentwurf zur deutschen Individualgastronomie: Prozess-Exzellenz schlägt persönliche Meisterschaft bei Skalierung. Bei globalen Operationen ist Austauschbarkeit keine Schwäche, sie ist die Voraussetzung.
Was profitable Konzepte ausmacht
- Nº 37·Kemal
Gastro ist komplett kalkulierbar — kein Glücksgeschäft
Die Mythen „Gastro ist riskant" oder „da muss das Glück stimmen" sind Ausreden. USP, Lage, Speisekarten-Aufbau, Personal-Schulung, Kalkulation — das sind alles berechenbare Größen. Wer scheitert, hat meist mehrere dieser Größen nie angefasst. Gastro ist ein komplexes Business wie jedes andere — nur mit der Besonderheit, dass der Branchenstandard schlechter ist als anderswo.
- Nº 38·Kemal
Fehlender USP ist das Kernproblem der meisten Insolvenz-Gastronomen
Die häufigste Frage, die Kemal Gastronomen stellt, die in Schieflage sind: „Für was stehst du?" Antwort: „Bei mir kommt jeder her." Das ist das Problem. Die Menschen gehen heute gezielt in Konzepte, nicht in unbestimmte Restaurants. „Der macht den besten Döner." „Der hat die geilen Donuts." Ohne dieses eine Wort fehlt der Grund, überhaupt zu kommen.
- Nº 39·Kemal
Große Speisekarte = mehr Waste, schlechtere Qualität, mehr Kapitalbindung
Die klassische deutsche Wirtschaftshauskarte mit 40+ Gerichten bindet Rohstoffe, die im Lager verderben. Gastronomen neigen dann dazu, abgelaufene Zutaten zu verwenden, statt sie wegzuwerfen — der Gast schmeckt das. Kurze Karte = schnellerer Rohstoff-Turnover = frischeres Produkt = zufriedenerer Gast. Die Karte als Management-Hebel wird fast überall unterschätzt.
- Nº 40·Kemal
2 Millionen Tonnen Bio-Tonne pro Jahr — 1.000€ pro volle Tonne verloren
Die deutsche Gastro verliert jährlich 2 Millionen Tonnen Essen in die Biotonne. Pro voller Tonne sind das rund 1.000€ — Rohstoff plus bereits investierte Energie plus Personalarbeit beim Anrichten. Waste-Management ist kein grünes Thema — es ist der teuerste unsichtbare Kostenpunkt der Branche. 20% Lagerverderb, 30-40% Überportionierung, Tellerrückläufer im Spülbecken: das ist die Mathematik, warum Gastronomen „Umsatz aber kein Geld" haben.
- Nº 41·Kemal & Eric
Der Dieter-Schwarz-Italiener: 70-90€ pro Person, persönliche Begrüßung, Familienbetrieb
Die familiär geführten Top-Restaurants — die, die seit 20 Jahren existieren — verdienen hervorragend. Kemal saß neben Dieter Schwarz (Lidl/Kaufland) in einem Hamburger Italiener: 70-90€ pro Person, Wein open end, Gäste persönlich begrüßt. Wenn die Inhaberfamilie fehlt, macht der Laden zu — die Seele ist das Geschäft. Dieses Format hält, wo die anonyme Mitte kollabiert.
Ghost Kitchens und zentrale Produktion
- Nº 42·Kemal
Kemal macht zentrale Produktion seit 15 Jahren — 5.000 Essen in 3-4 Stunden
Kemals Catering-Betrieb produziert 5.000 Essen zentral in 3-4 Stunden. Von Montag bis Freitag ist kein Koch länger als bis 15 Uhr da. Das ist kein „Ghost Kitchen"-Trend — das ist 15 Jahre funktionierende Zentralproduktion mit klarer Skalierungs-Logik: Essen ist skaliert, Essen ist geplant, Abläufe sind dokumentiert.
- Nº 43·Kemal
Ghost Kitchens funktionieren nur mit Marken-Ökosystemen, die den Warenkorb heben
Einzelne Ghost-Kitchen-Konzepte scheitern an Logistikkosten pro Bestellung. Wer mehrere Marken bündelt, die zusammenspielen — so dass eine Familie bei einer Bestellung drei Brands abdeckt — hebt den Warenkorb deutlich. Das Ökosystem macht die Marge, nicht die Einzelmarke. Das Backend (Arbeitsprozesse, Mengenplanung, Bestell-Routing) ist dabei wichtiger als die Frontseite.
Die Kalkulations-Revolution
- Nº 44·Kemal
Aufschlagskalkulation (300-400%) war vor 20 Jahren OK — heute tot
„1€ Wareneinsatz × 300-400% = Verkaufspreis" funktionierte, als Ware der größte Kostenblock war. Heute ist Personal der teuerste Faktor — und er steht nicht in der Aufschlagsrechnung. Deshalb machen Gastronomen nach dieser Logik Umsatz, haben aber kein Geld. Die alte Formel rechnet die wichtigste Kostenstelle schlicht nicht mit.
- Nº 45·Kemal
Deckungsbeitragskalkulation — was muss ich decken, was will ich verdienen
Die moderne Alternative: Deckungsbeitragskalkulation. Zuerst alle Kosten aufschlüsseln (Ware, Personal, Energie, Miete, Abschreibung, Unternehmerlohn). Dann: was muss der Verkaufspreis decken, und was will ich als Unternehmer verdienen? Der Preis wird von hinten gerechnet. Das ist die Methode, mit der Kemal vor 16 Jahren durch einen Küchenmeister entdeckte, warum Restaurants „Umsatz und kein Geld" haben.
- Nº 46·Kemal
Der Döner von 4,50€ auf 10€ — und Morddrohungen an den Influencer
Kemal hat vor 5 Jahren mit Posts den Dönerpreis thematisiert: „Die Italiener verlangen 18€ für Spaghetti Scampi — der Döner für 500g Fleisch kostet 4,50€." Heute steht er bei ca. 10€. Kemal bekam Morddrohungen, stand in der Bild als „Döner-Influencer". Der ökonomische Irrsinn hat ihn Zähne kostet, aber die Preisrevolution war überfällig — wer die Kalkulation anschaut, sieht keinen anderen Weg.
Der Exit & die Gastroschule
- Nº 47·Kemal
Exit an Coop Schweiz nach 8-10 Monaten — Bewertung über 20 Mio €
Die Gastro Business School wurde nach 8-10 Monaten an Coop Schweiz verkauft — Bewertung über 20 Mio €. Kemal war zuvor bereits drei Jahre Testimonial des Partners. Der Deal war früh im Skalierungszyklus, aber mit einem Gegenüber, das in Generationen denkt (Genossenschaft, Schweiz, ca. 90.000 B2B-Kunden). Früher Exit an den richtigen Käufer schlägt späten Exit an den falschen.
- Nº 48·Christian
Der Käufer bringt einen Werthebel nach dem Deal
Christians Perspektive zum Exit: das Schöne an einem Käufer wie Coop ist, dass der verkaufte Anteil danach wertvoller wird, als er zum Verkaufszeitpunkt war. 90.000 Gastro-Kunden im Netzwerk, andere große Player im Zugriff, generationale Finanzierung — das hebt das verbleibende Unternehmen automatisch mit. Der richtige Exit ist nicht Verkauf von Wert, sondern Tausch gegen Hebel.
- Nº 49·Kemal
15.000 Unternehmer melden sich zu einem Webinar an — die Reichweite der Nische
Wenn die Gastroschule ein Webinar ankündigt, melden sich 10-15.000 Gastronomen live an, 5.000 kommen rein. Das sind alles Unternehmer, kein B2C-Publikum. B2B-Reichweite in einer unterversorgten Nische ist wertvoller als jeder Influencer-Reach für Konsumprodukte. Hauptschüler gründet eine Schule, die Millionen bewertet wird — weil die Nische niemand sonst besetzt.
- Nº 50·Kemal
Die Software remonetarisiert sich über Strom- und Gas-Kontingente
Das Gastroschule-Abo (590€ für 12 Monate) plus angedockte Software-Suite (Zeiterfassung, Waste-Management, Inventur) zahlt sich dadurch refinanziert, dass Kemal über Mengenrabatte Strom- und Gaskontingente anbietet, die mehr sparen als die Abo-Gebühr kostet. Das Angebot wird nicht durch Wertversprechen verkauft, sondern durch Netto-positive Buchhaltung. Remonetarisierung über Skalen-Einkauf — der mächtigste Retention-Hebel.
- Nº 51·Kemal
Nischen-Personenmarke braucht 7-10 Jahre — dann ist sie unangreifbar
„In Amerika baut sich eine Personenmarke in 7 Jahren auf — in Deutschland eher 10, weil Deutsche sehr misstrauisch sind." Wer die Zeit hat durchzuhalten und die richtige B2B-Nische besetzt, bekommt danach den Burggraben. Das erklärt, warum viele Creator-Startups scheitern — sie geben im Jahr 3-4 auf, wenn die Zinseszinsen der Marke gerade erst greifen.
95% Struggle, 5% Ertrag
- Nº 52·Kemal
„95% war harter Striver" — Kemals Bilanz von 30 Jahren Gastronomie
„95% war harter Striver. Ich hatte schon Anfang 40 siebenstellig auf dem Konto — und das war durch Corona ganz schnell weg.”
Kemals Selbsteinschätzung nach 30 Jahren: 95% waren reiner Struggle ohne nennenswerten Gewinn. Anfang 40 hatte er siebenstellig angespart — Corona hat es in wenigen Monaten verbrannt. Die harte Wahrheit hinter jedem späteren Erfolg ist eine lange Phase, in der das Leben „wahrscheinlich ziemlich kacke" ist. Wer nur das Endergebnis sieht, missversteht die Verteilung.
- Nº 53·Kemal
Im Mittelstand arbeitest du bei 2 Mio Umsatz über Centbeträge
Mittelstand bedeutet: 2 Mio Umsatz, aber du rechnest täglich in Cent. Eine kaputte Maschine, ein guter Mitarbeiter, der geht, ein verpatzter Abend — alles kann die Marge des Monats auffressen. Du bist nie aus dem Schleudersitz. Deshalb funktioniert „skaliere auf 10 Standorte" bei den meisten nicht — die operative Fragilität wächst mit.
- Nº 54·Kemal
Firmen gehen nicht an zu wenig kaputt — sie gehen an zu viel Erfolg kaputt
Die häufigste Kollapsursache in der Gastro ist nicht Nachfragemangel, sondern Nachfrage-Übersteigung. Zu viele neue Kunden, zu wenig Zeit, zu viele neue Mitarbeiter, die die Seele des Teams infizieren. Die Qualität bröckelt, die Stammkundschaft merkt es, und der Laden ist zwei Jahre später weg. Skalierung ist nicht die Antwort — sie ist häufig die Diagnose.
- Nº 55·Kemal
Kemal war durch den Stress 15 Jahre auf harten Medikamenten
Die Realität hinter dem „Gastronom seit 30 Jahren" war 10-15 Jahre auf schweren Medikamenten, um den Dauerstress durchzuhalten. Gesundheit ist die unsichtbare Rechnung des Mittelstands-Unternehmertums. Wer das Bild „Exit für 20 Mio" sieht, ohne diesen Teil zu kennen, plant sein eigenes Leben falsch.
- Nº 56·Kemal
Ablösesummen 500k-1 Mio für einen leeren Mietvertrag in Großstädten
In Hamburg, Berlin, München zahlst du 500.000€ bis 1 Mio einfach als Ablöse für einen Mietvertrag — leere Fläche. Dann musst du das Ganze rausreißen, neu einrichten, Mannschaft aufbauen. Von 20 eingestellten Servicekräften bleiben 5 gute, aus denen du eine Klasse-Mannschaft formst. Wer die Einstiegskosten nicht im Blick hat, ist vor dem ersten Gast pleite.
Ratte im Hamsterrad
- Nº 57·Christian
„Muss ich das eigentlich runterkommen?" — die Frage, die niemand stellt
Christians persönliche Klärung: lange hat ihm jeder gesagt „du musst auch mal runterkommen". Irgendwann hat er sich gefragt — muss ich das? Nein. Wer sagt eigentlich, dass man muss? Solange das Tun Freude macht, ist „die Ratte im Hamsterrad sein, bis sie stirbt" eine legitime Lebensform. Nicht jedes Tool muss zu jedem Unternehmer passen.
- Nº 58·Eric
Es geht nicht um mehr — es geht weiter
„Es geht nicht um mehr, es geht weiter.”
Eric reformuliert während des Gesprächs: „Ich hab immer 'es geht mehr' gesagt, aber eigentlich ist es 'es geht weiter'. Ich hab noch so viele Ideen, Aufregung — es ist nicht Streben nach mehr, es ist der Tatendrang, dass etwas Neues kommt." Die Umformulierung ist präzise: die Energiequelle ist nicht Konkurrenz, sondern offene Zukunft.
- Nº 59·Christian
Wenn dein Traum nicht wächst, fehlt Platz für die Träume der anderen 40 Leute
Christians Strukturfrage: wenn du 40 gute Mitarbeiter hast, musst du zwangsläufig groß träumen. Nicht aus Ego — aus Pflicht. Dein Traum muss groß genug sein, dass ihre Träume Platz finden. „Wir machen es jetzt gemütlich" ist keine Option, wenn du Verantwortung für die Entwicklung anderer trägst. Stagnation ist Führungsversagen.
- Nº 60·Kemal
Partnerschaft und Familie sind der unterschätzte Preis
Kemal: „Ich habe eine Ehe hinter mich gebracht durch meine Art. Die brauchen auch Aufmerksamkeit — die Liebe geht verloren." Eine Folge, die 80 Minuten lang über Business redet, endet zwei Minuten vor dem Abschied bei dem Thema, das nie vorkommt und am meisten kostet. Das ist die Reihenfolge der Prioritäten im echten Unternehmertum — nicht die, die auf Panels erzählt wird.
- Nº 61·Kemal
„Wenn es nicht mehr weitergeht, geh weiter, bis es wieder weitergeht"
„Die wenigsten scheitern, die meisten geben tatsächlich auf.”
Kemals Leitsatz, formuliert aus 30 Jahren Gastronomie, zwei schweren Krankheitsphasen und einem Exit über 20 Mio €. Das klingt wie Küchenpsychologie, ist aber statistisch die richtige Strategie: die meisten Firmen scheitern nicht — sie werden aufgegeben. Wer den Unterschied kennt, bleibt länger. Länger ist oft der einzige Unterschied zwischen Pleite und Erfolg.
- Nº 62·Kemal
Du bist immer im Rauschen — Sekunden echten Ankommens
Kemal beschreibt das Leben nach dem Exit: eigentlich könnte er aufhören, Zinsen reichen. Aber er kann fast nichts mehr verarbeiten, weil er dauernd im Rauschen ist. Echtes Ankommen sind Sekunden, durch Meditation erreichbar, aber kurz. Das ist kein Erfolgsproblem, das jemand lösen muss — es ist ein Realitätsbericht, den kaum jemand offen gibt.
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