#1 Von Start-Ups zu Milliarden Bewertungen: Eric Demuth & Christian Wolf ganz persönlich
Worum es geht
Die allererste Folge des Beyond Business Cast. Christian Wolf (More Nutrition, 29 Jahre alt beim Exit an CVC zur Milliarden-Bewertung) trifft Eric Demuth (Bitpanda, 4,1 Milliarden Dollar Unternehmens-Bewertung Stand 2021) für das erste lange Gespräch. Die Folge ist keine klassische „Interview"-Folge — sie ist das Kennenlernen vor laufender Kamera. Beide erzählen ihre Geschichten: wo sie herkommen, wie sie in das gekommen sind, was sie heute tun — und vor allem die Preise, die sie dafür gezahlt haben.
Die zentrale Beobachtung der Folge: Milliarden-Gründer sind keine Übermenschen. Christian: „Ich finde es so absurd — wenn man sowas von außen sieht, hat man immer das Gefühl, das müssen Leute sein, die übermenschlich sind, viel schlauer als man selbst. Aber es gibt einen schönen Satz von Steve Jobs — die meisten Produkte und Sachen um dich rum haben Menschen erfunden, die nicht schlauer waren als du." Mein Leben hätte auch genauso verlaufen können mit ‚Ich bin bei EY im Audit und hab keinen Bock auf irgendwas und mach Büroklammern auf'. Nur durch einen Zufall ist das halt dann am Ende anders gekommen.
Dazwischen die konkreten Gründungs-Stories: Eric's Ostsee-Kindheit, die Schiffsmechaniker-Ausbildung, die Tränen am Pariser Flughafen als er ausbrechen wollte, die Zufallsbegegnung in Hongkong mit Maastricht-Studenten die sein Leben in Richtung BWL-Wien lenkte, Bitpandas erste 2 Jahre als Bootstrap mit Downsize-Wohnung auf 56 qm, die erste Mini-Runde 2016 (700.000€) für reine Liquidität, der 2020 Unicorn-Status, 2021 die 4,1 Milliarden Bewertung. Plus Christians verlorene Jugend zwischen Pharmazie, Medizin und BWL, die Büroklammer-Erfahrung bei EY/Heidelberg Zement, die Wende durch Social Media mit 10.000 YouTube-Abonnenten in der ersten Woche. Mores Gründung mit 2000 Dosen Vitamin-Supplements, die in 6 Wochen verkauft wurden. Und der intimere Teil: Erics Burnout 2018 mit 24-Stunden-Muskelzucken und Herzrhythmusstörungen. Christians Philosophie vom freien Willen, die ihm erlaubt, keinem Menschen mehr böse zu sein. Und die persönlichen Ängste — bei beiden nicht mehr finanziell, sondern gesundheitlich und in Bezug auf die Familie.
Was du mitnehmen kannst.
Der Podcast als Positionierung
- Nº 01·Eric & Christian
Nicht Coachings verkaufen — sondern aus eigener Erfahrung sprechen
Eric: „Wir haben geguckt, was gibt es denn gerade im deutschen Bereich. Da haben wir nicht so viel gefunden, wo Leute einen gewissen Track Record haben und nicht nur aus der Theorie heraus sprechen, sondern aus eigener Erfahrung." Christian: „Oder Coachings verkaufen. Wir verkaufen hier nichts." Die Positionierungs-These: Die meisten deutschsprachigen Business-Podcasts sind entweder Theorie-Podcasts oder Coaching-Verkaufs-Kanäle. Eric und Christian positionieren sich auf der schmalen Linie — erfahren, aber ohne Verkaufs-Absicht. Diese Positionierungs-Wahl macht Long-Term-Vertrauen möglich, weil keine Conversions getriggert werden müssen.
- Nº 02·Christian & Eric
Der Kontakt entstand über OMR-Podcast + Instagram-DM — nicht über Events
Christian: „Ich hab Erik kennengelernt, als ich den OMR-Podcast mit Philipp Westermeier gehört habe. Erik ist Gründer und CEO von Bitpanda. Ich fand den Podcast interessant, hab geguckt, dass er mir folgt, habe geschrieben ‚Wenn du Lust hast, können wir mal trainieren gehen.'" Eric: „Ich hab dich auch im Content verfolgt — der Typ mit dem Hals-Tattoo, der am Ende sich besser auskennt als die Ärzte, die ich kenne." Die moderne Business-Verbindung entsteht über Social-Media-DMs, nicht über Konferenzen. Wer in Content investiert, wird in DMs kontaktiert — das ist der unterschätzte Multiplikator für Gründer-Netzwerke.
Erics Weg: Ostsee → See → BWL
- Nº 03·Eric
Aufgewachsen an der Ostsee mit einem Kapitän als Vater — „sichere Sache"
Eric: „Mein Vater ist auf die See gefahren — Kapitän. Ich komme von der Küste, bin an der Ostsee groß geworden. Hab gedacht ‚Mensch, das ist so ne sichere Sache'. Meine Eltern sind deutlich älter — mein Vater ist über 80, aber immer noch super fit. Die können sich jetzt jeden Tag den Proteineiscoffee reinziehen, ich hab sie auf Supplements gesetzt mit Bewegung und Vollgas." Die Wahl der ersten Karriere: Oft folgt sie der Familientradition. Eric hat das bewusst gemacht — Nautik studieren, Kapitän werden. Das ist nicht schlecht — es gibt oft Klarheit für die erste Phase. Aber der Moment, wo man merkt: „Das ist nicht für mich", ist die eigentliche Gründer-Entscheidung.
- Nº 04·Eric
Die Tränen am Pariser Flughafen — und die Gruppe, die „Zieh durch" sagte
Eric: „Zweite Ausbildungspassage waren wir mit der ganzen Gruppe 20 Leute auf dem Ausbildungsschiff — sind über Jordanien eingestiegen, nachher wieder Asien. Ich war in Paris — über Paris sind wir nach Italien geflogen. Am Flughafen habe ich echt geweint. Ich hab in der Zentrale in Hamburg angerufen, gefragt, ob die nicht einen Bürojob für mich haben. Die anderen in der Gruppe haben gesagt: ‚Komm jetzt hier mal durch.' Dann habe ich gesagt ‚OK, wenn ich das jetzt mache, zieh ich durch.'" Die wichtige Lehre: Peer-Druck in schwierigen Momenten kann gut sein. Wenn man an einem Wendepunkt steht und die Gruppe um einen herum sagt „Durchhalten" — und man durchhält — lernt man etwas über sich selbst. Die Erfahrung war brutal, aber „beste Erfahrung, die ich je gemacht hab."
- Nº 05·Eric
2,5 Jahre Ausbildung als Zeit, um sich zu überlegen, was man will
Eric: „Ich hab ja in der Zeit — 2,5 Jahre Ausbildung — konnte ich mir überlegen, was ich mache. Im Endeffekt wusste ich es nicht wirklich. Was machst du, wenn du nichts weißt? Noch BWL. Genau." Die Ausbildung als Bedenkzeit: Für viele Menschen ist die erste Karriere-Etappe keine endgültige Entscheidung, sondern eine Zeit, um die eigene Richtung zu finden. Wer das akzeptiert und die Zeit wirklich für Reflektion nutzt, trifft bessere zweite Entscheidungen als wer blind weitermacht.
Christians verlorener Weg
- Nº 06·Christian
Pharmazie, Medizin, BWL — 3 Studiengänge, kein Plan
Christian: „Mein Vater hat dieses typische ‚Doktor mit 25, Mathe-Thema, McKinsey, 100 Stunden pro Woche arbeiten, nur am Wochenende bei der Mutter Kleidung abgegeben'. Ich hab das mal machen wollen — Praktika gemacht bei Investmentbanken. Dann war so: ‚Nee, ich kann das nicht.' Da hab ich mich lange verloren gefühlt. Hab mich dann in Pharmazie eingeschrieben. Nach einem halben Jahr keine Lust mehr. Dann Medizin. Dann BWL in Mannheim. Aber das war eigentlich nur für die Eltern, damit sie mit den Nachbarn grillen können: ‚Mein Sohn macht BWL in Mannheim.'" Die verlorene Studenten-Phase ist für viele hochbegabte junge Menschen typisch. Wer das durchmacht und nicht aufgibt, findet oft später eine Passion, die tiefer verwurzelt ist als wer geradlinig den Familien-Pfad geht.
- Nº 07·Christian
Die Büroklammer-Woche bei EY/Heidelberg Zement — als Christian wusste: „Nicht dieses Leben"
Christian: „Vom Studium aus Pflicht-Praktika — ich hab gesagt ‚Komm, ich mach EY Audit bei Heidelberg Zement.' Hab 2,5 Wochen echt Büroklammern aufgemacht. Litually Büroklammern aufgemacht, Dokumente gescannt — Finger tat weh. Anderthalb Stunden entfernt, morgens 4:30 Uhr losgefahren, 21 Uhr mcfit. 2,5 Wochen, dann habe ich gesagt: Nee, das ist nicht das Leben, wo ich hin will." Der berühmte „Ich hätte Büroklammern öffnen" Moment. Wer das einmal erlebt, weiß, was er nicht will. Diese Nicht-wollen-Klarheit ist fast so wichtig wie Wollen-Klarheit. Sie filtert radikal, welche Wege nicht in Frage kommen.
- Nº 08·Christian
Die YouTube-Wende: 10.000 Abonnenten in der ersten Woche als Anomalie-Signal
Christian: „Ich bin durch Zufall auf Social Media gestolpert. Hab ein YouTube-Video gepostet — in der ersten Woche 10.000 Abonnenten. Ich wusste: Das ist eine Anomalie, normalerweise passiert das nicht so schnell. Dann hab ich zu meinem Vater gesagt: ‚Papa, ich mach jetzt mal Urlaubssemester — danach kann ich immer noch anfangen. Aber ich geh jetzt mal all-in.'" Die Anomalie als Signal: Wenn etwas ungewöhnlich gut funktioniert, sollte man es nicht ignorieren. Die meisten Menschen schauen auf ihr Ergebnis und denken „Zufall." Die Erfolgreichen denken: „Hier ist ein Signal, das ich jetzt verstärken muss."
Bootstrap-Gründung (beide)
- Nº 09·Eric
Bitpanda: GmbH erst gegründet, als Produkt fertig war — um kein Geld zu verbrennen
Eric: „Wir arbeiten seit 11 Jahren an Bitpanda. Am Anfang hatten wir kein Geld, deswegen haben wir die wirkliche Gründung der GmbH erst dann gemacht, als das Produkt quasi schon fertig war." Die Bootstrap-Logik: GmbH-Gründung kostet Geld (Stammkapital, Notar, laufende Steuern). Wer zu früh gründet, verbrennt dieses Kapital ohne Produkt. Wer erst gründet, wenn die Produkt-Hypothese validiert ist, spart Liquidität für den eigentlichen Markt-Eintritt.
- Nº 10·Christian
More: Nur die Hälfte des Stammkapitals eingezahlt — Hersteller mit 6 Wochen Zahlungsziel
Christian: „Ich und mein Mitgründer — wir haben nur die Hälfte vom Stammkapital in die GmbH eingezahlt. Wir haben Hersteller dazu verhandelt, dass sie uns erst 6 Wochen später die Rechnung stellen — damit wir die Sachen erst mal verkaufen können. Ganz viele Dinge, die man aus Zwang getan hat — und wir wären nie so erfolgreich geworden, hätten wir von Anfang an Geld gehabt." Die paradoxe Gründer-Wahrheit: Kapital-Mangel erzwingt Kreativität. Wer bootstrapped, muss smart verhandeln, muss Prioritäten setzen, muss dem Markt schnell testen. Wer VC-Kapital hat, entwickelt oft Routine-Verschwendung. Beides hat Vor- und Nachteile — aber Bootstrapping erzwingt strukturell bessere Gründer-Gewohnheiten.
- Nº 11·Eric
Eric's Downsize: Von der Dachgeschosswohnung in die 56qm-Wohnung — um zu sparen
Eric: „Ich hab von meinem Ersparten gelebt. Nach 2 Jahren war das aufgebraucht. Aber ich hab Hardcore-Downsizing gemacht — bin von einer schönen Dachgeschosswohnung mit meiner Ex-Freundin in eine 56qm-Wohnung gezogen. Einfach um hart zu sparen, weil alles in die Firma reinging. Mein Wohnzimmer war klein — so ein Mini-Durchgangsquadrat zum Badezimmer. Da hab ich meinen PC reingestellt und den ganzen Tag gehockt." Die Lebensstandards-Reduktion als Gründer-Phase: Wer nicht bereit ist, den eigenen Lebensstandard drastisch zu reduzieren, um in die Firma zu investieren, hat Schwierigkeiten in der Bootstrap-Phase. Wer das durchmacht, baut echte finanzielle Resilienz auf.
- Nº 12·Eric & Christian
Von dem guten Jobs nebenbei gehts nicht — All-In ist Pflicht
Eric: „Man kann solche Dinge nicht nebenbei machen. Ja, ich mach meinen Berater-Job, aber nebenbei brauch ich jetzt eine Firma auch so — Werbucket, so wird es nicht funktionieren. Das kann man nur machen, wenn man im Studium ist — dann ist nebenbei 100% der Zeit. Aber wenn du arbeitest, nein." Christian: „Nein, nein, nein." Die radikale Gründer-Realität: Halbherzige Gründungen scheitern fast immer. Wer nicht bereit ist, 100% seiner Zeit in die Firma zu investieren, sollte erst warten oder einen anderen Weg suchen. Zwei halb-motivierte Gründer haben weniger Output als ein vollmotivierter.
Bitpandas Finanzierungs-Journey
- Nº 13·Eric
Nach 2 Jahren Break-Even — dann erste Mini-Runde 2016 für reine Liquidität
Eric: „Nach 2 Jahren waren wir so Break-Even. Der Monat davor ist mir so das Geld ausgegangen. Dann konnten wir ein kleines Grundgehalt auszahlen. Die erste richtige Mini-Runde war Anfang 2017 — rückblickend 700.000€. Das Geld war nicht für Marketing da, sondern weil die Leute Bestellungen gemacht haben, wir Bitcoin in Vorleistung gegeben haben, und das Geldbankensystem kam erst 3 Tage später. Wir hatten kein Geld mehr — nicht für Wachstum, sondern für Liquidität." Die nuancierte Gründer-Finanzierung: Nicht jede Runde ist Wachstums-Kapital. Manche sind operative Liquiditäts-Polster. Wer die Unterscheidung kennt, verhandelt anders.
- Nº 14·Eric
Von 2016 zu 2021: Eine Milliarden-Bewertung, dann 4,1 Milliarden
Eric: „Die richtige erste Runde war 2020 — die Bewertung ging schnell. 2020 war das die erste Unicorn-Bewertung in Österreich — 1 Milliarde. 2021 die letzte Bewertung war 4,1 Milliarden Dollar. Danach war kein Geld mehr geraced. Eigentlich jedes Jahr profitabel seit 2016 — außer 2022, wo dann der harte Finanzbestand kam." Die Unternehmer-Wachstums-Geschichte: In 4 Jahren von klein auf 4,1 Milliarden. Das ist nicht typisch. Aber es ist möglich, wenn der Markt (Krypto), die Positionierung (europäischer Leader), und die Timing zusammenkommen.
Mores Gründung
- Nº 15·Christian
2000 Dosen als erste Bestellung — Anspruch: „Über 3 Jahre verkaufen"
Christian: „Wir haben damals 2000 Dosen bestellt — wirklich Supplements, ich wollte eine Zusammenstellung aus Vitamin D, Omega 3, K2. Unser Anspruch: Vielleicht kriegen wir die über 3 Jahre verkauft. Das war die ursprüngliche Idee." Die Startup-Erwartungs-Kalibrierung: Wer realistisch plant, hat bessere Chancen, positive Überraschungen zu erleben. Wer unrealistisch plant (auf Milliarden hofft), scheitert fast immer — weil die realistische Phase sich zu langsam anfühlt.
- Nº 16·Christian
„Im Vorverkauf weg" — die 2000 Dosen waren in Wochen verkauft
Christian: „Die 2000 Dosen waren im Vorverkauf weg. Es hat von Anfang an funktioniert. Die schwierigen Zeiten kamen erst später. Ich hatte das Glück, sehr früh Bestätigung zu kriegen für das, was wir gemacht haben." Eric: „Bei uns hat es schon gedauert." Die unterschiedlichen Gründer-Anfangs-Phasen: Manche Gründer haben sofort Product-Market-Fit, andere brauchen 2-3 Jahre. Beides ist normal. Wer sofort PMF hat, muss auf Skalierungs-Probleme vorbereitet sein. Wer länger braucht, muss die Durststrecke aushalten.
- Nº 17·Christian & Eric
Der minimale Gründer-Plan: 2-3 Grundannahmen reichen
Christian: „Ich krieg heute so viele Pitch-Decks — 100 Seiten Pläne mit Grafiken, aber noch nie eine einzige Sache verkauft." Eric: „Ich habe noch nie ein Businessplan durchgelesen. Brauchst du mir nicht bekommen — alles, was da drin steht, kannst du hundertprozentig knicken." Christian: „Wenn du ein Unternehmen gründen willst, brauchst du eigentlich nur 2-3 Grundannahmen, die du glaubst. Bei uns war es: ‚Ich hab ein paar Social-Media-Follower, die haben ähnliches Interesse wie ich — ich hab ein Produkt, was ich selbst haben will, das es so nicht gibt. Guck einfach, ob wir die 2000 Dosen loskriegen'." Das ist der operative Mindset.
Krypto als Entertainment-Finance
- Nº 18·Eric
Krypto bringt Entertainment in Finanzbildung — „immer was los"
Eric: „Bei uns ist es auch so ein geiles Thema — nicht wie Briefmarken sammeln. Diese ganzen Krypto- und Investieren-Sachen — exciting. Krypto macht eine Sache ganz geil: Geh in den Finanzmarkt und packen da Entertainment rein. Da ist immer was los. Das ist, was die Leute haben wollen. Es darf nicht trocken sein, sonst beschäftigen sich die Leute nicht. Krypto ist das Geilste, was für Finanzbildung passieren konnte — so viele junge Leute beschäftigen sich plötzlich mit Finanzthemen." Die strategische Beobachtung: Was Entertainment mit Finanzen verbindet, erschließt Zielgruppen, die klassische Finanzen nie erreichen würden. Das ist der Grund, warum Krypto-Apps bei jungen Nutzern so hoch penetriert sind — die Bindung ist emotional, nicht rational.
- Nº 19·Eric
Word of Mouth > Marketing — gerade für erklärungsintensive Produkte
Eric: „Wir haben ja die ersten Jahre gar nichts für Marketing Geld ausgegeben. Markenaufbau haben wir viel zu spät gemacht. Wir sind über Word of Mouth in der deutschsprachigen Community gewachsen — der eine hat gesagt, das funktioniert, der andere auch. Von innen heraus gesund gewachsen." Der Unterschied zwischen Marketing und Empfehlungs-Wachstum: Marketing kostet Geld und erzeugt Kunden, die schnell wieder weggehen. Word-of-Mouth kostet nichts und erzeugt Kunden, die loyal bleiben. Wer früh auf Word-of-Mouth setzt, baut eine robustere Kunden-Basis.
Die Unternehmer-Psyche
- Nº 20·Christian
Steve Jobs: „Die Produkte um dich wurden von Menschen gemacht, die nicht schlauer als du sind"
„Die meisten Produkte um dich rum haben Menschen erfunden, die nicht schlauer waren als du.”
Christian: „Ich hätte mir sowas früher nie vorstellen können — wenn man sowas von außen sieht, hat man immer das Gefühl, das müssen Leute sein, die übermenschlich sind, viel schlauer als man selbst. Aber es gibt einen schönen Satz von Steve Jobs: ‚Die meisten Produkte und Sachen um dich rum haben Menschen erfunden, die nicht schlauer waren als du.' Mein Leben hätte auch so verlaufen können — ich bin irgendwie bei EY im Audit und mach Büroklammern auf. Nur durch einen Zufall ist das halt dann am Ende anders gekommen." Die demokratisierende Erkenntnis: Die Gründer, die man aus der Ferne bewundert, sind keine Übermenschen. Sie haben Entscheidungen getroffen, die man auch treffen könnte. Das macht Gründer-Bewunderung gleichzeitig nützlicher (weil es realistische Vorbilder sind) und schwieriger (weil die Ausrede „Die sind eben schlauer" nicht funktioniert).
- Nº 21·Christian & Eric
Unternehmer sind immer gehetzt — „alles muss JETZT erledigt werden"
Christian: „Bei Unternehmertum hast du immer das Gefühl, alles muss jetzt erledigt werden." Eric: „Das ist für Leute mit ADHS eigentlich perfekt — du hast das Gefühl, du bist hinterher. Jede Idee — wenn du sie jetzt umsetzt, ist es besser als in einer Woche. Mein Problem — ich hab es auch wieder vergessen, wenn es nicht angeleiert wird." Die psychologische Realität des Unternehmertums: Es ist keine Arbeit „9 bis 5", sondern eine Lebens-Haltung. Wer das nicht akzeptieren kann, wird nicht lang Gründer bleiben.
- Nº 22·Eric
Heterogene Gründer-Teams: ADHS-kreativ + struktureller Co-Founder = Ergänzung
Eric: „Ich bin zu unstrukturiert auf einer Seite und zu freigeistig auf der anderen. Habe hart diagnostiziertes ADHS. Wenn du mir sagst ‚In einer Woche fertig' — fange ich 3 Stunden vorher an. Mein Zeitmanagement ist furchtbar. Aber mit Lukas, unserem Deputy CEO, ist perfekt — ich bin der, bei dem in der Dusche die Ideen kommen, rufe ihn an. Er ist strukturiert. Das funktioniert perfekt." Die komplementäre Team-Konstellation: Der kreative Chaotiker + der strukturierte Umsetzer = produktiver als 2 Kreative oder 2 Strukturierte zusammen. Wer sein eigenes Profil kennt, findet den richtigen Co-Founder.
Christians Philosophie
- Nº 23·Christian
Freier Wille: Man kann sich nicht wünschen, was man sich wünscht
Christian: „Freier Wille — die meisten verstehen darunter ‚Ich kann tun, was ich machen will.' Aber das ist nicht freier Wille. Freier Wille wäre: ‚Ich kann entscheiden, was ich WILL.' Wenn ich dir sage ‚Du willst deine Mutter schlagen' — du kannst, wenn du ein normaler Mensch bist, es tun. Aber du wirst dich nicht dazu zwingen können, es zu WOLLEN. Das hat dazu gesorgt, dass ich Menschen sehr schwer noch Vorwürfe machen kann — selbst wenn mich jemand betrügt, ich denk: ‚Die hat ihre Genetik, ihre Umgebung.'" Die stoische Haltung durch philosophische Einsicht: Wer versteht, dass Menschen kausal handeln, kann sie nicht mehr moralisch verurteilen. Das reduziert Wut und Rachegefühle — und ermöglicht klare strategische Entscheidungen.
- Nº 24·Eric
Eric: Durch Unternehmertum rational geworden — aber nicht gleichgültig
Eric: „Ich würde in dem Moment ein bisschen sagen, ich bin sehr rational geworden über die Jahre. Reflektieren nicht mit Sich-Sorgen-Machen verwechseln. Ich habe irgendwann das Konzept bekommen: ‚Stell dir vor, du reflektierst deine Reflektion auf einer Meta-Ebene. Du bist ein Vogel, verfolgst deine eigene Drohne und dieses Auto, das immer in die gleiche Sackgasse abbiegt. Manchmal musst du einen Schritt zurücktreten und über dich selbst von außen nachdenken.'" Die Selbstreflektion auf der Meta-Ebene: Wer sich nur in seinen eigenen Gedanken verheddert, sieht die Muster nicht. Wer sich aus der Vogelperspektive betrachten kann, erkennt Wiederholungen — und kann sie aktiv brechen.
Erics Burnout 2018
- Nº 25·Eric
Burnout kam, als Bitpanda bereits erfolgreich war — nicht vorher
Eric: „Ich bin 2018 in einen harten Burnout gekommen. Das war ein schleichender Prozess — ich kam einfach nicht mehr zur Ruhe. Ich habe mir immer nur Probleme gemacht ohne die wirklich zu lösen. Dann gab es körperliche Symptome — Herzstolpern, Muskelzucken. Ich hab anderthalb Jahre Muskelzucken gehabt, richtig geisteskrank. Irgendwann hat der Körper gesagt: ‚Jetzt musst du dich damit beschäftigen.'" Die nicht-lineare Burnout-Mechanik: Er kommt oft dann, wenn äußerlich alles gut läuft — weil die innere Spannung sich aus den Sorgen um die Zukunft speist, nicht aus der Realität der Gegenwart.
- Nº 26·Eric
„Artificial Negativspirale" durch gedankliche Wiederholung — trotz Erfolg
Eric: „Es war einfach so viel passiert und immer wieder vorausgedacht ‚Was ist, wenn...' Du hast dich nur mit negativen Sachen beschäftigt. Man hat sich selber in eine ‚artificial Negativspirale' reingebracht gedanklich. Und dann — diese Kombination aus Stresshormonen, die ausgeschüttet werden — das ist ein Teufelskreis." Die unsichtbare Gefahr erfolgreicher Gründer: Negative Gedankenspiralen. Man lebt gut, ist erfolgreich, aber man erlebt das nicht — weil man nur an Risiken denkt. Diese Dissonanz zwischen objektiver Realität und subjektivem Erleben ist der Kern vieler Gründer-Burnouts.
- Nº 27·Eric
„Kackt am Dampfen" ist OK — Schwebezustand ist das Schlimmste
Eric: „Ich kann super mit Krisen umgehen — wenn die Scheiße am Dampfen ist, funktioniere ich extrem gut. Hab ich auf dem Schiff gelernt. Aber mit Schwebezuständen — ‚Ich weiß nicht genau, was das Ergebnis ist, könnte das sein oder das sein, dann abwarten' — damit kann ich gar nicht umgehen." Die operative Gründer-Selbsterkenntnis: Manche Menschen funktionieren gut unter akuten Krisen, aber nicht unter chronischer Ungewissheit. Wer das von sich weiß, sollte Entscheidungen proaktiv forcieren — Klarheit produzieren, wo der Markt keine gibt.
Warum man nicht aufhört
- Nº 28·Christian
„Ich hab mich gefühlt, als ob ich niemand mehr bin" — Christian nach 3 Monaten Pause
Christian: „Ich hatte mal eine Pause von Social Media für 3 Monate. Was mir krass gefehlt hat: Ich hab mich so gefühlt, als ob ich niemand mehr bin. OK nice — ich hab Geld, kann in die schönsten Hotels gehen. Aber das ist am vierten Tag langweilig. Ich hab mich nicht gefühlt, als ob ich was wert bin. Wenn man arbeitet und Bestätigung kriegt, hat man das Gefühl von Verantwortung, soziales Umfeld geht mit nach oben. Männer oder generell Personen haben viel von Selbstwert an Status geknüpft." Die schmerzhafte Erkenntnis: Erfolgreiches Handeln ist oft emotional wichtiger als erfolgreiches Leben. Wer aufhört zu arbeiten, verliert oft das eigene Selbstbild — selbst wenn die finanzielle Seite abgesichert ist.
- Nº 29·Christian
Christians CS-Vergangenheit: „Deutscher Meister durch Random-Taktiken mit p90 über kurz"
Christian: „Damals beim Zocken bin ich deutscher Meister geworden im CS. Die Meisterschaft war 40% Glück — wir haben Smoke-Taktiken gemacht, Schwachsinn, rennen zu fünft mit einer p90 über kurz. Sachen, die man nur in Random-Games macht. Aber wir haben es auf dem Pro-Level gemacht und es hat funktioniert. Ich wusste: Für International reicht es nicht. Hab keine Lust, zwölftbester mit Krach zu sein. PC verkauft, fertig." Die wichtige Karriere-Lehre: Wer in einem Bereich die obere Grenze sieht, kann sinnvoll wechseln — wenn er eine andere Arena sieht, die ihm liegt. Wer das nicht erkennt, verharrt in Mittelmaß.
- Nº 30·Christian
„Wer würde dich heute kennen, wenn du nichts mehr machst?"
Christian: „Es gibt genug Typen auf der Welt mit Geld. Es gibt Leute, die haben viel mehr Geld als wir alle. Man wäre nie interessant, wenn man nicht quasi die Projekte macht, die man macht — um mit Leuten in Kontakt zu kommen, die man selbst nie kennenlernen würde. Ich wäre nie mit den Rich Piana's, Bumstead's, Guzman's skifahren gegangen ohne das." Die versteckte Motivation hinter Unternehmertum: Es ist nicht nur Geld. Es ist Zugang zu bestimmten Menschen und Räumen. Wer das versteht, versteht, warum Milliardäre weiter arbeiten — nicht trotz Reichtum, sondern wegen sozialer Zugehörigkeit.
Team-Dynamik und Bad Cop
- Nº 31·Eric
Christians Co-Founders: Der CTO aus der Industrie, der Smartest-Ever Paul
Eric über Bitpanda: „Paul und ich haben es gestartet — so CEOs angefangen, Christian Trummer als CTO. Paul ist der smarteste Typ, den ich je getroffen habe. Christian ist ein richtig harter Arbeiter, kommt vom ländlichen Bereich — Bauernhof aufgewachsen. Der kennt Arbeit. Ich bin der Terrier und Treiber." Die heterogene Team-Zusammensetzung: Paul = analytisches Denken, Christian = operative Exzellenz, Eric = vertrieblicher Drive. Wer alle drei in einem Team hat, hat einen kaum zu schlagenden Mix.
- Nº 32·Christian
CVC hält Christian raus: „Wenn der Typ davon erfährt, wird er so Hype sein"
Christian: „Bei MNA-Akquisitionen oder Expansion — CVC hält mich raus. Die wissen: ‚Wenn der Typ davon erfährt, wird er so Hype sein, das geht nicht gut.' Das muss dann CVC machen. Bei Leuten, die ich cool finde, bin ich viel zu weich. Aber wenn jemand uns ungerechtmäßig an Karren pisst, kann ich auch zurückhauen." Die bewusste Arbeitsteilung: Wer seine eigenen Stärken UND Schwächen kennt, baut das Team so, dass schwierige Verhandlungen bei denen liegen, die emotional distanziert bleiben können. Christians Idealismus + CVCs Pragmatismus = gut funktionierende Rollenverteilung.
- Nº 33·Eric
Eric's Motto: „Beim Güllewagen zurückkommen, wenn jemand mich anpisst"
„Entweder Family oder Güllewagen.”
Eric: „Ich bin Black and White — entweder Family oder Güllewagen. Wenn mich jemand anpisst, komm ich zurück mit dem Güllewagen. Aber ansonsten: Wenn ich Leute mag, Family — 100% da. Die ‚Erik E-Mail' ist immer sehr freundlich und hat keine Anrede." Die direkte Kommunikations-Kultur: Wer konfliktbereit ist — aber in klaren Konfigurationen — ist oft effizienter als wer chronisch freundlich ist. Die Ambiguität kostet Energie; die Klarheit befreit.
Persönliche Ängste
- Nº 34·Eric
Erics Angst heute: Verlustangst, aber nicht finanziell — Gesundheit
Eric: „Daran habe ich extrem gearbeitet die letzten Jahre. Paranoia habe ich nicht mehr. Aber jetzt ist es eher ein starker Gesundheits-Faktor. Ich habe viel erreicht — bin happy damit. Eine Art Verlustangst in Bezug auf unkontrollierte Geschichten wie Gesundheit. Wenn du nicht gesund bist, ist alles scheißegal. Umso erfolgreicher du wirst, desto größer die Fallhöhe — desto größer kann die Verlustangst in Bezug auf unkontrollierte Geschichten wie Gesundheit werden." Die Evolution der Gründer-Ängste: Am Anfang Finanz-Angst, später Gesundheits-Angst. Die Verlagerung passiert fast unvermeidlich, wenn die finanzielle Sicherheit erreicht ist.
- Nº 35·Christian
Christians Angst: Nach Noah's Geburt — wo das „Dazwischen" aufhört
Christian: „Ich erinnere mich an die Geburt von Noah — das war das erste Mal, dass ich wieder Angst gespürt hab. In unserem Leben sind ja die meisten Ängste nicht mehr binär — wir werden nicht morgen auf der Straße enden. Aber bei der Geburt wusste ich: Jetzt geht's eine Stunde — entweder es läuft gut oder kacke, kein dazwischen. Das wird noch spannend die nächsten Jahre — wenn ich überlege, was meine Eltern mit mir erlebt haben, wo ich fast meine Beine verloren hätte. Wenn es schief läuft, sind alle Jahre davor egal, ab jetzt ist einfach schrecklich." Die existentiellen Risiko-Momente, die Eltern erleben, sind anders als die Risiko-Momente der Gründer-Phase. Wer Familie hat, bekommt eine neue Kategorie von Angst, die man nicht steuern kann.
Persönliche Dinge
- Nº 36·Eric & Christian
Eric besitzt 15 AirPods-Paare — ADHS-Signatur im Alltag
Christian: „Wie viele AirPods-Paare besitzt du?" Eric: „Ich bin jetzt bei 15 nummerierten AirPods. Es liegt eines in Italien, eines weiß nicht wo. Einmal bin ich in den Pool gesprungen — einen hatte ich noch drin, der andere ist irgendwo in irgendeinem Pool." Die hart-kodierte Gründer-Realität: Manche Gewohnheiten (wie konstante AirPods-Nutzung) sind nicht Luxus, sondern Arbeits-Tool. Wer ständig Calls macht, verliert Geräte. Das ist normale Abnutzung — nicht Verschwendung.
- Nº 37·Eric
Eric beim Telefonieren: 19.000 Schritte an einem Tag, als Internet ausfiel
Eric: „Internet komplett ausgefallen. Konnte alles nur am Telefon machen. Ich habe 19.000 Schritte gemacht an dem Tag. Ich bin nur im Haus rumgelaufen." Die nebenher-Bewegung als produktives Prinzip: Wer beim Arbeiten (z.B. Telefonieren) gleichzeitig läuft, kombiniert zwei Aktivitäten. Das ist einer der wertvollsten Hacks für Gründer mit wenig Freizeit — produktiv gesund sein.
- Nº 38·Eric
Erics Eltern nehmen täglich Proteineiscoffee — „Eure Hausaufgaben ist fit zu bleiben"
Eric: „Mein Vater ist über 80, aber immer noch super fit. Meine Eltern nehmen jetzt jeden Tag den Proteineiscoffee. Ich hab sie auf Supplements gesetzt mit Bewegung und Vollgas. Ich hab gesagt: Eure Hausaufgaben — so wie ihr meine Hausaufgaben früher kontrolliert habt, schaue ich jetzt, dass ihr fit bleibt und so lange wie möglich gesund bleibt." Die inverse Eltern-Beziehung im Alter: Wer erfolgreiche erwachsene Kinder hat, wird oft von ihnen betreut — medizinisch, finanziell, lebensorganisatorisch. Diese Rollenwechsel sind gesund und sinnvoll, werden aber in vielen Familien nicht ausgesprochen.
Milliarden-Gründer sind keine Übermenschen. Sie sind Menschen, die an Zufällen vorbeikamen und sich entschieden haben, diese Zufälle anzunehmen statt abzulehnen. Wer sich durchschnittlich zufrieden fühlt, bekommt ein durchschnittliches Leben. Wer sich in unvollkommene Momente wirft, bekommt die Chance auf ein außergewöhnliches.

